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Uwe Heiderich-Willmer

heiderich-willmer.de
Montag, 01. November 1999 | Thema: Edewecht ..., Verkehr

In Edewecht droht der Verkehrsinfarkt

Nachmittags gegen 16 Uhr oder Samstag morgens die Hauptstraße in zu überqueren – das dauert für diese zehn Meter mitunter schon mal bis zu fünf Minuten. Nicht nur das Warten ist ärgerlich, man ist in dieser Zeit auch noch Abgasen und Lärm ausgesetzt. Der Autoverkehr hat in unerträgliche Ausmaße angenommen. Die Unfallzahlen entlang der Hauptstraße steigen stetig. Hier muss dringend etwas geschehen, um die Aufenthalts- und Wohnqualität im Zentrum Edewechts wiederherzustellen. Nach langer Diskussion hat dies schließlich auch die Mehrheit der Ratsmitglieder eingesehen und ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben.

Eineinhalb Jahre nach den ersten Beratungen zur Aufstellung eines Verkehrskonzeptes ist nun in der letzten Straßen- und Wegeausschusssitzung endlich das Ergebnis der Untersuchungen vorgestellt worden. Durch automatische Verkehrszählungen und persönliche Befragung der VerkehrsteilnehmerInnen ermittelte das Planungsbüro Thalen aus Neuenburg umfangreiche Daten über den in Edewecht. Diese Daten sollen als Grundlage für die Erstellung eines Verkehrskonzeptes dienen.

Nach den vorgelegten Zahlen sind Edewechts Straßen mit 43.000 Fahrten in 24 Stunden stark belastet. Für Anwohne-rInnen, FußgängerInnen und RadfahrerInnen bedeutet dies eine erhebliche Qualitätsminderung für den Aufenthalt insbesondere im Bereich der Haupt- und Oldenburger Straße. Deutlich wurde auch, dass mit 34% als sogenannter Binnenverkehr der größte Anteil des Verkehrs innerhalb des Ortes stattfindet, während nur 16% der Fahrten Durchgangsverkehr sind. Diese Situation wird sich, so das Planungsbüro, bis zum Jahr 2010 noch verschärfen. Bis dahin wird eine Zunahme des Autoverkehrs auf 52.000 Fahrten in 24 Stunden prognostiziert. Dass dies auch eine Folge der aggressiven Baulandentwicklung ist, wird daran deutlich, dass der Binnenverkehr in den nächsten zehn Jahren auf 39% ansteigt, während der Durchgangsverkehr um einen Prozentpunkt abnehmen wird. Die restlichen Anteile bilden die Ziel- und Quellverkehre, das sind Fahrten die aus Edewecht heraus oder nach Edewecht hinein durchgeführt werden. Zur Zeit haben diese je einen Anteil von 25%; sie werden bis zum Jahr 2010 auf je 23% sinken.

Untersucht wurde auch, welche Entlastung eine Ortsumgehung für die Edewechter Ortsdurchfahrt bringen könnte.

Die PlanerInnen machten deutlich, dass, egal ob eine Ortsumgehung westlich oder östlich um den Ort geführt würde, die Akzeptanz nur sehr gering sein würde und in keinem Verhältnis zu den dadurch entstehenden Kosten stünde. Außerdem wäre es nicht mit dem Bau einer getan, man müsste begleitende Maßnahmen entlang der Hauptstraße tätigen, um die Durchfahrt zu erschweren und so die AutofahrerInnen auf die Umgehung „zwingen“.

Auch der stehende Verkehr wurde begutachtet.

Dabei wurde festgestellt, dass sämtliche öffentlichen und Kundenpark-plätze bis auf eine Ausnahme höchstens zu 50% belegt waren.

Kritisiert wurde auch, dass der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) bei weitem noch nicht ausreichend sei. Für den Radverkehr wurden Mängel am Radwegesystem festgestellt. Zu enge Fahrspuren und uneindeutige Regelungen bergen Gefahren und machen die Benutzung der Radwege unattraktiv.

Nun sind die Ratsmitglieder gefordert, aus dieser Menge an Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dass Handlungsbedarf besteht, ist mit dieser Untersuchung nochmals bestätigt worden. Es ist nur zu hoffen, dass dabei nicht nur für die AutofahrerInnen etwas herausspringt und die FußgängerInnen und RadfahrerInnen nicht wieder einmal auf der Strecke bleiben.

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