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Uwe Heiderich-Willmer

heiderich-willmer.de
Samstag, 28. Mai 2011 | Thema: Edewecht ..., Umwelt - Natur

Keinen weiteren Putenstall in Ostescheps!

Die Nachbarn wehren sich

Die Nachbarn wehren sich

In Osterscheps am Poolweg soll eine weitere Massentierhaltungsanlage entstehen. 10000 weitere Putenhähne sollen hier bis zur Schlachtreife gemästet werden. Für die Grünen widerspricht die Haltung von Puten in industriellen Massentierställen einer allein schon aus ethischen Gründen zu fordernden artgerechten Tierhaltung. Gegen Ende der Mast können sich die Tiere oft nicht mehr umdrehen oder ohne Behinderung durch ihre Artgenossen hinlegen oder aufstehen. Das enge Beisammensein führt zu Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus, so dass häufig Verletzungen auftreten. Das Überleben der Tiere ist oft nur mit über das Futter und das Trinkwasser zugeführten Medikamente (u.a. Antibiotika) möglich.

In diesen Zusammenhang sei hier das Tierschutzgesetz in der Fassung vom 23. Mai 1998, zweiter Abschnitt, Tierhaltung, § 2 zitiert:

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
-muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen;
-darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden;
-muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderliche Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Aber nicht nur die Tiere leiden unter diesen Haltungsbedingungen, „auch die Menschen, die in der Nachbarschaft einer solchen Anlage wohnen, haben gesundheitliche Risiken zu tragen“, mahnt Uwe Heiderich-Willmer Fraktionssprecher der Grünen im Edewechter Rat. Denn der Betrieb von Massentierhaltungsanlagen emittiert mit der Stallluft rund um die Uhr krebserzeugende und Allergien verursachende Stoffe wie Stäube, Keime, Salmonellen, Schimmelpilze, Endotoxine, Ammoniak und antibiotikaresistente Bakterien.  Wer sich schon mal bei windigem Wetter in der Nähe einer solchen Anlage in der Abluftfahne eines solchen Betriebes aufgehalten hat, weiß wovon hier die Rede ist, dieser moderige Dunst hat nichts mehr mit gesunder Landluft zu tun. Die Lebensqualität der Nachbarn einer solchen Anlage hängt stark von der aktuell herrschenden Windrichtung ab.

Den Gemeinden, die eigentlich die Planungshoheit auf ihrem Gemeindegebiet haben wird in diesem Fall durch den § 35 des Baugesetzbuches das Ruder aus der Hand genommen. Vorhaben dieser Art sind demnach im Außenbereich privilegiert. Die Gemeinden können sich nur gegen Anlagen wie die hier geplante

Putenstall in Osterscheps

in Osterscheps

aussprechen, wenn städtebauliche Belange dem entgegenstehen. Das ist aber im Außenbereich seltenst der Fall. Die Gemeinden könnten lediglich durch aufwendige vorsorgende Flächenplanungen, wie im Zusammenhang mit der Zulassung von Windkraftanlagen in geschehen, Vorranggebieten für Massentierställe ausweisen. Erst wenn diese Gebiete voll sind, wäre kein zwingender Anspruch auf weitere Tierhaltungsanlagen vorhanden und eine Ablehnung möglich. Ganz ausschließen kann man nach der aktuellen Rechtslage solche Anlagen nicht. Hier ist der Edewechter Rat gefordert eine regelnde Planung auf den Weg zu bringen. Mit den Edewechter Grünen werde ich darauf drängen, dass dies geschieht.

Aber auch der Landkreis als genehmigende Behörde ist hier gefragt: das 1996 vom Kreistag einmütig beschlossene RROP (Regionale Raumordnungsprogramm) sagt in seinen Leitlinien zur Landwirtschaft aus, dass die flächengebundene bäuerliche Landwirtschaft auf der Grundlage einer standortgerechten, ordnungsgemäßen Bodennutzung im Landkreis Ammerland im besonderen Maße zu schützen und zu fördern sei, dort heißt es wörtlich:
„Die flächengebundene bäuerliche Landwirtschaft, die wirtschaftlich effektiv und umweltgerecht produziert und eine artgerechte Nutztierhaltung betreibt, ist im Besonderen zu fördern. Sie hat Vorrang vor in anderer Formm ausgeübter Landwirtschaft.” Um diesen selbst gesetzten Vorgaben gerecht zu werden, muss der Landkreis die Probleme und Gefahren, die von solch einer

In Sichweite des vorhandenen Stalls soll ein neuer Putenstall entstehen

In Sichweite des vorhandenen Stalls soll ein neuer Putenstall entstehen

Anlage ausgehen streng überprüfen und den zweifellos vorhandenen Ermessensspielraum nutzen, damit keine weiteren industriellen Massentierhaltungsanlagen im Ammerland entstehen. In enger Zusammenarbeit mit der Grünen Gemeinderatsfraktion und Kreistagsfraktion der Grünen werde ich weiter daran arbeiten, dass im Ammerland keine emsländisch-cloppenburgische Verhältnisse entstehen.

Nicht zuletzt können auch die Verbraucher/innen dazu beitragen die einzudämmen. Der bewusste Verzicht auf Fleisch und Eier, die unter solchen lebensverachtenten Bedingungen erzeugt werden, trägt dazu bei. Auch wenn es etwas teurer ist, vielleicht nicht so oft, dafür dann aber aus artgerechter Tierhaltung erzeugtes Fleisch konsumieren, würde allen weiterhelfen und obendrein schmeckt es besser.

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