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Uwe Heiderich-Willmer

heiderich-willmer.de
Freitag, 25. April 2014 | Thema: Edewecht ..., Energieversorgung, Planung, Umwelt - Natur

Trennlinie Windkraft

„Windkraft ja, aber bitte nicht bei mir, … „

Windkraft, kaum ein anderes Thema ist in der Lage, die Gemüter so  zu bewegen, dass es Nachbarn zu Gegnern macht. Kaum ein anderes Thema, steht es irgendwo zur Debatte, bringt solch eine Flut von zustimmenden und ablehnenden Interessensbekundungen mit sich.

Windkraftanlagen "Hübscher Berg" Westerscheps

Windkraftanlagen „Hübscher Berg“ Westerscheps

So geschieht es nun auch in Edewecht, schon kurz nach dem das Standortkonzept Windenergie für das Ammerland, das eine Grundlage für weiter Planungsentscheidungen bilden soll, veröffentlicht wurde, begann der Wettbewerb um die Wahrheit. Während die Einen sich von den €-Zeichen in den Augen leiten lassen, bangen die Anderen um die Idylle in ihrem Eigenheim oder um die Natur.

Menschen, denen es bislang egal war, wie der Strom in ihre Steckdose kam, wurden zu Befürwortern von Windenergie – zumindest wenn sie auf ihrem Grund und Boden Gewinn abwirft (Fukushima war als Argumentationshilfe ja zum Glück noch nicht so lange her). Naturschützer verteufeln das Windrad als umweltfeindlich. Hinzu kommen die Häuslebesitzer, die einen potentiellen Wertverlust ihres Hauses beklagen.

Es bilden sich Interessengruppen, die gemeinsam die Änderung des Flächennutzungsplanes zu Gunsten eines Windparks beantragen, und es bilden sich Bürgerinitiativen, die sich lauthals gegen die Windkraft wenden. Während die Befürworter relativ ruhig die Entscheidung über ihre Anträge abwarten, versuchen die Gegner mit allem, was sie auftreiben können, die politischen Gremien davon zu überzeugen, dass Windkraft das „Fukushima des Naturschutzes“ sei.

Leider basieren viele Argumente der Gegner auf sehr veralteten Informationen, die für neue moderne Anlagen nicht mehr gelten. Nachfolgend möchte ich die klassischen Argumente gegen Windkraft aufzeigen und entkräften.

Schattenschlag, es ist immer wieder die Rede davon, dass Anwohner in der Nähe von Windkraftanlagen von einem ständig rotierenden Schatten der Windradflügel terrorisiert würden.

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Windkraft heute und vor 134 Jahren

Das Bundesimmissionsschutzgesetz sagt dazu, dass der Schattenwurf von Windenergieanlagen nicht länger als 30 Stunden pro Jahr (theoretisch, das entspricht etwa 8 Stunden / Jahr tatsächlich) und 30 Minuten am Tag auf ein Wohnhaus wirken darf. Schon lange haben Windkraftanlagen Einrichtungen, die die Anlagen anhalten, sollte solch ein Wert erreicht werden. In diesem Zusammenhang wird gerne der sog. Diskoeffekt angeführt, der von Lichtreflexen der früher glänzenden Rotorenoberflächen herrührte. Bei modernen Anlagen werden nicht reflektierende, matte Oberflächen verwendet, sodass dieses Phänomen nicht mehr auftritt.

Auch bei der Hindernisbefeuerung, die Anlagen über 100 m zum Schutz des Flugverkehrs haben müssen, geht die Entwicklung weiter. Weile viele Menschen sich von den blinkenden Lichtern gestört fühlen, werden z. Zt. radargesteuerte Lichter entwickelt, deren Serienreife bevorsteht. Diese Lichter würden nur noch leuchten, wenn sich ein Flugobjekt in der Nähe befindet. Da dies in dieser Höhe allerdings nur sehr selten vorkommt, werden sie entsprechend selten leuchten.

Bezüglich der Schallbelastung beklagen Anwohner im Außenbereich, dass sie dort wie Bürger zweiter Klasse behandelt würden, da von sogenannten Siedlungssplittern nur 600 m Abstand gewahrt werden muss. Geht man aber davon aus, dass eine moderne Windkraftanlage in 500 m Entfernung noch einen Schalldruckpegel von 42 dB aufweist, kann man davon ausgehen, dass sie in 600 m Entfernung fast den für allgemeine Wohngebiete zulässigen Wert von 40 dB einhalten. Unterschritten wird auf jeden Fall der zulässige Wert eines Mischgebietes von 45 dB. Der gesamte Streifen entlang der Ortsdurchfahrt Edewecht, der Hauptstraße ist als Mischgebiet ausgewiesen. Das heißt, dass die Anwohner im Außenbereich sogar besser gestellt sind als die Anwohner der Hauptstraße was die Lärmbelästigung angeht.

Immer wieder wird der Infraschall als krank machend beklagt. All diesen, die das glauben, denen sei angeraten, sofort das Autofahren zu unterlassen, denn im Inneren eines fahrenden Autos ist der Infraschall ein vielfaches höher, als bei einer modernen Windkraftanlage in 250 m Entfernung. Überall, wo sich Luft und Wasser bewegt, tritt in der freien Natur Infraschall auf.

Windkraftanlage ca 4 km entfernt.
Windkraftanlage ca 4 km entfernt.

Angeführt werden auch immer wieder Infernos durch Unfallschäden. Die Sicherheitsstandards der Anlagen ist aber inzwischen so hoch, dass die Betriebshaftpflicht für eine 3 Megawatt-Anlage 70-90 Euro pro Jahr beträgt. Verglichen mit einer KFZ-Haftpflichtprämie, kommen die Anlagen bei der Risikobewertung durch die Versicherungen doch recht gut weg. So sind Personenschäden bisher nur durch Arbeitsunfälle an Windkraftanlagen bekannt, bei 40.000 Anlagen in Mitteleuropa, kann man 15 Rotorblattabbrüche getrost als gering bezeichnen. Brände durch Hydrauliköl sind bei getriebelosen Anlagen nicht möglich, da sie ohne Öl arbeiten. Eiswurf ist auch kein Thema mehr, da modernen Anlagen über eine Eiskennung verfügen und ggf. einfach stoppen und nur wieder von Hand in Betrieb gesetzt werden können.

Man sieht also, dass die Horrorszenarien, die immer wieder gezeichnet werden, eigentlich der Vergangenheit angehören. Wer das wirklich wissen will, kann es einfach auf Wikipedia nachlesen.

Was die Verträglichkeit mit der Natur angeht, wird dies immer im Einzelnen durch avifaunistische Gutachten erörtert; dies wird auch bei dem am Hogenset südlich des Küstenkanals in Diskussion stehenden Windpark, wie auch bei allen anderen Flächen, die in Edewecht in Frage kommen könnten, geschehen. Erst danach wird endgültig eine Entscheidung getroffen, ob und wo die Errichtung eines Windparks möglich ist.

Ich bin in Edewecht mit dem Vorsatz, mich auch kommunal für den Klimaschutz und erneuerbare Energien einzusetzen, zur Gemeinderatswahl angetreten und gewählt worden.  In diesem Sinne werde ich mich auch künftig weiter dafür stark machen, dass auch Edewecht seinen Beitrag dazu leistet. Denn es geht um mehr als den Erhalt einiger Idyllen – Strahlenunfälle und Klimawandel stellen für die Menschheit und für die Umwelt ein unbeherrschbares Risiko dar.  Die finanziellen Belastungen für die Folgeschäden werden enorm sein. Demgegenüber steht eine bezahlbare Technik, deren Risiken sehr überschaubar sind.

Da vieles nur mit Humor zu ertragen ist:

https://de.nachrichten.yahoo.com/video/playlist/postillon24-nachrichten/super-gau-norddeutscher-windkraftanlage-075006297.html

 

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